Ausbildung bei der Marine wird positiv bewertet
Das Sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr, ein Forschungs- und Think-Tank-Institut der Bundeswehr, hat die Offiziersausbildung der Marine seit 2005 untersucht. Knapp 1000 Marineoffizieranwärter haben die Wissenschaftler in dieser Zeit je zweimal an der Marineschule befragt. Nun liegen erste Ergebnisse vor: Die Offizierausbildung der Marine in Mürwik kann sich sehen lassen.

Gerade einmal 27 Jahre ist Leutnant zur See Anke Friedrich. Während andere junge Frauen ihres Alters oftmals noch studieren oder erste berufliche Erfahrungen gesammelt haben, ist die gebürtige Stralsunderin bereits Offizier der Bundeswehr und besitzt den Abschluss als Diplom-Pädagogin der Bundeswehr Universität in Hamburg. Später möchte sie einmal Wachoffizier auf einem Boot oder Schiff der Deutschen Marine werden und falls möglich, Kommandant. Die Grundlagen für eine steile Karriere in der Marine bringt Frau Friedrich bereits mit: Kurz, knackig und verbindlich sind ihre Aussagen, gepflegt und bestimmt ihr Auftreten. Ob sie tatsächlich einmal Kommandant eines Bootes oder Schiffes wird, hängt aber von vielen Faktoren ab. Darunter vor allem von ihrer Leistungsfähigkeit, Leistungsbereitschaft und ihrer fachlichen Qualifikation.
Diese Qualifikationen, das Basiswissen eines Marineoffiziers, erhielt Frau Friedrich in der Marineschule in Flensburg-Mürwik. Hier musste sie sich auf dem Segelschulschiff GORCH FOCK beweisen und die Grundlagen der Nautik und der Führungslehre verinnerlichen. Für Leutnant zur See Friedrich war es ausgesprochen wichtig, diese Ausbildung zu erhalten, denn sie möchte in ihrem beruflichen Leben zweierlei erreichen: Einerseits möchte sie vor allem viel von der Welt sehen, viel erleben und deshalb zur See fahren - andererseits ist es ihr genauso wichtig intensiv mit Menschen zusammenzuarbeiten, sie anzuleiten und zu unterrichten, betont die 27jährige.

Die Marine bietet Offizieren wie Frau Friedrich beides, sofern sie erfolgreich die Ausbildung durchlaufen. Und diese mit gutem Ergebnis zu bestehen, ist nicht gerade einfach: Bereits wenige Wochen nach der Grundausbildung sind die jungen Soldatinnen und Soldaten ganz auf sich und ihre Kameraden angewiesen, wenn sie auf der GORCH FOCK mitten auf dem Ozean mit dazu beitragen müssen, dass ihr Schiff sicher den Zielhafen erreicht. Während einige Ausbildungsabschnitte hier vor allem körperlich fordern, müssen sie sich in anderen vor allem theoretisches Wissen aneignen und zum Beispiel mehrere Wochen Nautik im Hörsaal pauken.
Dass es nicht gerade einfach ist, die Abiturienten in einem solchen vielfältigen Crashkurs zu Seekadetten weiterzubilden, aus denen spätestens nach dem Studium Offiziere werden sollen, liegt auf der Hand. Teilweise ohne militärische Vorerfahrung müssen sie in die Lage versetzt werden, andere zu führen. Doch die Umstände, unter denen künftige Offiziere führen müssen, sind nicht statisch, sondern haben sich insbesondere durch die Transformation der Bundeswehr und im Rahmen der Auslandseinsätze in den letzten Jahren gewandelt.
Gerade aufgrund dieser Änderungen war für die Marine die Überprüfung ihrer Ausbildung an der Marineschule wichtig. Was erwarten junge Offiziere wie Leutnant zur See Friedrich von der Ausbildung und wie bewerten sie die Rahmenbedingungen der Ausbildung? Aufgrund Fragen wie dieser hatte sich die Marine vor einigen Jahren entschlossen, die beruflichen Entwicklungen, die Berufszufriedenheit und die Ausbildungsbewertung ihres Offiziernachwuchses wissenschaftlich untersuchen zu lassen.

Das Sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr, ein Forschungs- und Think-Tank-Institut der Bundeswehr, hat die Ausbildung seit 2005 untersucht. Knapp 1000 Marineoffizieranwärter haben die Wissenschaftler des Instituts in dieser Zeit je zweimal an der Marineschule befragt. Nun liegen erste Ergebnisse vor. Die Offizierausbildung der Marine in Mürwik kann sich danach ohne Vorbehalte sehen lassen. „Man muss klar sagen: Mit den meisten Ausbildungsabschnitten sind die Marineoffizieranwärter außerordentlich zufrieden. Die Ausbildung wirkt motivierend und die wichtigsten Rahmenbedingungen werden außerordentlich positiv beurteilt“ sagt der Autor der Studie, Wolfgang Sender. Was besonders heraussteche, ist die Zufriedenheit mit den Ausbildungsinhalten, der erlebten Kameradschaft und der Stolz auf die eigenen Leistungen. Besonders mit dem Flottenpraktikum, einem Ausbildungsabschnitt auf Schiffen und Booten, sind die Marineoffizieranwärter ausgesprochen zufrieden.
Leutnant zur See Friedrich, die diese Ausbildung in Mürwik vor etwa vier Jahren beendet hat, blickt heute gern darauf zurück. „Ich war schnell sehr stolz auf meine eigenen Leistungen und es waren ziemlich ideale Rahmenbedingungen, auf die ich hier traf. Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn man so optimal gefördert wird und sich voll auf die Ausbildung konzentrieren kann.“ Während dieser Ausbildung, so zeigt die Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts, werden sogar die Befürchtungen geringer, mit denen einige Marineoffizieranwärter ihren Dienst begonnen haben.

So wird im Laufe der Ausbildung der Anteil der Soldatinnen und Soldaten kleiner, die meinen, dass sich Familie und Beruf in der Bundeswehr nur schwer vereinbaren lassen. Nach einem Jahr Ausbildung sind deutlich mehr Offizieranwärter der Ansicht, dass die Bundeswehr eine geregelte Dienstzeit, Chancengleichheit und Raum für individuelle Entfaltung bietet. Etwas enttäuscht wurden indes die Hoffnungen der Marineoffizieranwärter in Mürwik, im ersten Ausbildungsjahr häufig zur See fahren zu können. Gerade einmal zwei Monate ist es nach dem Ausbildungsplan möglich. Marineoffizieranwärter wie Leutnant zur See Friedrich müssen sich mit ihrem Wunsch, häufig zur See fahren zu wollen, noch bis nach ihrem Studium gedulden. Dann aber sind sie optimal auf ihre kommenden Tätigkeiten vorbereitet.
Und mit dieser Vorbereitung ist auch für Leutnant zur See Friedrich die Erfüllung ihres Traumes möglich: Irgendwann als Kommandant auf der Brücke zu stehen.
