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Das Auswahlverfahren der Offizierbewerberprüfzentrale

Drum prüfe, wer sich länger bindet...

Für die wohl meisten stellt sich diese Frage nicht erst, wenn Sie irgendwann einmal beabsichtigen vor dem Traualtar zu stehen. Auch die Bundeswehr prüft seit nunmehr 50 Jahren künftige Offiziere auf ihre Eignung und Befähigung. Da die Bundeswehr seit jeher darauf angewiesen ist, künftige Offiziere ihren Befähigungen nach einzusetzen, muss jede Bewerberin und jeder Bewerber daher zunächst an der Offizierbewerberprüfzentrale (OPZ) in Köln einen sogenannten Einstellungstest absolvieren. Hier wir in einem umfangreichen Prüfungsverfahren die Eignung und Befähigung der Prüflinge hinsichtlich des anspruchsvollen Offizierberufs festgestellt.

Zur Klärung der Fragen, ob die Bundeswehr sie für geeignet hält, einstellt und ausbildet, geht es für die Bewerberinnen und Bewerber erst einmal für drei Tage nach Köln in das Assessment Center der Bundeswehr in die Mudra-Kaserne. Diejenigen, die diese erste Hürde nun bereits geschafft haben, können sich glücklich schätzen, da nicht jeder Bewerber automatisch eine Einladung erhält. Insgesamt gehen jährlich ca. 9.000 Bewerbungen für den Offizierberuf bei der Bundeswehr ein. Davon erhalten in jedem Jahr mehr als 6.200 Bewerberinnen und Bewerber Einladungen zur Teilnahme am Prüfverfahren. Von den ca. 6.200 geprüften Bewerberinnen und Bewerbern können zur Zeit jährlich ca. 2.000 geeignete Anwärter in die Offizierlaufbahn übernommen werden. Zu den Einzelheiten aber mehr im folgenden.

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Ein Personalberater steuert den Ablauf der Prüfung
Ein Personalberater steuert den Ablauf der Prüfung

Die Anreise

Die Bewerber reisen aus dem gesamten Bundesgebiet an (Anreisetage sind Sonntag bis Mittwoch), passieren mit ihrem Gepäck das Kasernentor und steuern zunächst das Bewerberwohnheim an. Hier werden sie durch die Heimleitung in Empfang genommen und erhalten - jeweils in Kleingruppen – ein Zimmer zugewiesen. Es folgen ein erster allgemeiner Begrüßungsvortrag im großen Saal der OPZ und eine Vorstellung des Prüfverfahrens durch den Einweisungsoffizier.

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Konzentrierte Bewerber beim computergesteuerten Test

Die Eignungsfeststellung

Am Morgen des ersten Prüfungstages beginnt ein zweitägiger Testmarathon. Die Bewerber durchlaufen die Stationen überwiegend unabhängig voneinander. Erfahrene Feldwebel, so genannte Personalberater, halten dabei die Fäden sicher in der Hand. Sie sind in diesen Tagen Anlauf- und Steuerpunkte für die Bewerber.
Der Testtag beginnt zunächst für alle Bewerber mit einem Aufsatz, in dem die sprachliche Ausdrucksfähigkeit und Beherrschung der deutschen Schriftsprache geprüft werden. Danach folgt die Aufteilung in bis zu elf einzelne Gruppen mit je vier Bewerbern. Die Teilnahme am computergestützten Testverfahren ist für alle Bewerber verbindlich. Dabei werden zunächst weitere sprachliche, wie auch grundlegende mathematische und abstrakt-logische Fertigkeiten abgeprüft.
Auf Bewerber mit einem Studienwunsch warten weitere Testungen, die vorhandene Fähigkeiten in Bezug auf das angestrebte Studium nachweisen sollen. Bei den meisten Offizierbewerbern ist vor allem der für das Studium erforderliche Mathematiktest gefürchtet. Aber auch der "San-Test" (Eignungstest für Bewerber Medizinstudium) „ist nicht ohne". Hier besteht jedoch absolut kein Grund zur Panik, da die Tests zum Teil adaptiv gestaltet sind und somit der Schwierigkeitsgrad individuell gesteuert wird.
Wenn zum Teil Wissen in der Schule noch nicht vermittelt wurde, ist dieses in den Testergebnissen eindeutig zu identifizieren und kann entsprechend bei der Auswertung berücksichtigt werden. Somit kann jeder Bewerber seine Fähigkeiten bestmöglich im Verfahren darstellen und damit seine Chance wahren. Übrigens: Bewerber für die Laufbahn des Fliegerischen Dienstes, des Einsatzführungsdienstes sowie des militärischen Flugsicherungs- und Kontrolldienstes absolvieren zudem den sogenannten "Fliegertest" - ein erster weiterer Schritt in Richtung dieser begehrten Verwendungen.

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Bewerber diskutieren über ein allgemeines Thema

Gruppensituationstest

Ein weiteres Testmodul ist das so genannte Gruppensituationsverfahren. Es setzt sich aus zwei Planspielen und einem Kurzvortrag zusammen.
Ziel der Gruppensituation ist es, das individuelle Verhalten vor und in der Gruppe zu beobachten und zu bewerten. Für den Bewerber geht es bei den Planspielen vor allem um die konkrete Entschlussfassung und Entscheidung in der eingeteilten Gruppe sowie den Umgang miteinander.
Anschließend folgt nach 25-minütiger Vorbereitung ein Kurzvortrag vor den Mitbewerbern von maximal zehn Minuten Dauer, der möglichst frei zu halten ist. Hierbei geht es vor allem um die Sprache und die inhaltliche Qualität.
Die für den Bewerber zuständigen zwei oder drei Prüferinnen und Prüfer beobachten, greifen aber in die Gruppensituation nicht ein. Alle Aufgaben und Themen sind so gestellt, dass sie dem durchschnittlichen Kenntnis- und Erfahrungshorizont des jeweiligen Bewerbers entsprechen.

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Ein Bewerber im Interview
Eine Bewerber im Interview

Das persönliche Interview

Einer der Höhepunkte der Eignungsfeststellung ist sicherlich das persönliche Gespräch mit der Prüfgruppe. Das so genannte „Interview“ stellt für den Bewerber das klassische Bewerbungsgespräch dar und ist das "Verkaufsgespräch in eigener Sache".
Ziel ist es, den Bewerber weiter kennen zu lernen und die bereits vorhandenen Informationen (Bewerbungsunterlagen, Testergebnisse etc.) besser einordnen zu können. Dazu ist ein offenes und aufrichtiges Gespräch notwendig, wobei eine angenehme und lockere Atmosphäre oberste Devise für die Gesprächsführung ist.
Die Mitglieder der Prüfgruppe befragen nacheinander den Bewerber u.a. zu seiner Biographie, Motivation und seinen beruflichen Vorstellungen und versuchen so Erkenntnislücken zu schließen und bisherige Prüfungsergebnisse zu bestätigen oder zu relativieren. Es empfiehlt, sich einfach nur natürlich zu sein, da "Verstellung" schnell erkannt wird. "Nobody is perfect", auch das wird berücksichtigt.
Am Ende des persönlichen Gesprächs wird eine Auswertung der bis dahin vorliegenden Erkenntnisse vorgenommen.
Abhängig von dem Ergebnis wird über den weiteren Fortgang der Prüfung entschieden, d.h. am Ende des Interviews erfährt jeder, ob er aus Sicht der Prüfgruppe für die Ausbildung zum Offizier charakterlich und geistig geeignet erscheint und als erfolgreicher "Prüfling" somit die Eintrittskarte in die Einplanungsgespräche erhält.

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Ein erfahrener Studienberater erläutert einem Bewerber seine .
Ein erfahrener Studienberater erläutert einem Bewerber seine …

Die Studieneignung

Die Studieneignung ist ein wichtiges Prüfkriterium, denn in der Regel werden Bewerber nur eingestellt, wenn sie auch für ein Studium eingeplant werden können. Die Eignungsfeststellung findet für die medizinischen und die anderen Studienfachrichtungen in unterschiedlicher Weise statt. Für die Bewerberinnen und Bewerber des Sanitätsdienstes mit den Studienwünschen Humanmedizin, Zahnmedizin, Pharmazie oder Tiermedizin wird ganz gezielt in einem persönlichen Gespräch hinterfragt, ob nach ihrem Eignungs- und Kenntnisstand das angestrebte Studium unter Bundeswehrbedingungen Aussicht auf Erfolg hat.
Dabei werden auch die schulischen Leistungen, die Fächerkombination im Abitur, fachspezifische Kenntnisse und Voraussetzungen sowie spezielle Testergebnisse berücksichtigt.
Es wird eine Empfehlung hinsichtlich der Bestehenswahrscheinlichkeit ausgesprochen, welche letztlich in der Feststellung mündet, welches medizinische Studium individuell für die Bewerberinnen oder den Bewerber vorgesehen werden könnte. Zusätzlich können die Bewerberinnen und Bewerber individuell beraten werden, um spezifische Fragen klären zu können.
Für alle Bewerberinnen und Bewerber mit Studienwünschen aus technischen, wirtschaftswissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Fachbereichen der Universitäten der Bundeswehr ermittelt die Prüfkommission ohne ein persönliches Prüfungsgespräch die Studieneignung. Anhand von Testergebnissen (z.B. Mathematiktest, Intelligenztest), schulischen Leistungen und Schwerpunkten wird ein individuelles Profil der Bestehenswahrscheinlichkeit für alle diese Studiengänge ermittelt.
Sollte eine Einplanung mit der gewünschten Studienfachrichtung nicht möglich sein, werden in einem persönlichen Gespräch gemeinsam mit der Bewerberin oder dem Bewerber alternative Studienmöglichkeiten besprochen.
Für die Studieneignungsfeststellung und für die Studienberatung wird dringend empfohlen, sich vor der persönlichen Festlegung auf bestimmte Studienfachrichtungen bereits im Vorfeld intensiv zu informieren. Die Möglichkeiten hierzu sind vielfältig, wenn man das Angebot nutzt und im eigenen Interesse aktiv ist.
Informationsveranstaltungen der Universitäten, Truppenbesuche in Standorten der Bundeswehr und das Internet seien hier als Beispiele erwähnt. Somit kann jede Bewerberin und jeder Bewerber bereits vor der Anreise zur OPZ für sich selber klären und einschätzen, ob Inhalte und Anforderungen mit den persönlichen Interessen, Neigungen und Fähigkeiten im Einklang stehen. Auch sollten hierbei schon mögliche Alternativen zum Erstwunsch bedacht werden.

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Ein Bewerber wird medizinisch untersucht

Der Gesundheitscheck im Ärztlichen Dienst

Der Ärztliche Dienst der OPZ ist zuständig für die Feststellung der gesundheitlichen und physischen Voraussetzungen. Hier wird den Bewerberinnen und Bewerbern bestätigt bzw. prognostiziert, ob sie die geforderte körperliche Leistungsfähigkeit und seelische Gesundheit allgemein und insbesondere in den speziellen vorgesehenen Verwendungen nachweisen können. Es können sich abweichende Tauglichkeitsgrade und Ausschlüsse für bestimmte Verwendungen im Vergleich zu den Untersuchungsergebnissen bei der "normalen" Musterung ergeben. Bewerber des Fliegerischen Dienstes durchlaufen zudem die Fliegervorauswahl.

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Bewerber bei Sit-Up's
Bewerber bei Sit-Up's

Der Physical-Fitness Test

Am Ende des zweiten Tages erfolgt in der Sporthalle das Ablegen des so genannten "Physical Fitness Test". Hier soll die körperliche Leistungsfähigkeit vor dem Hintergrund der möglichen Trainierbarkeit geprüft werden. Viele Bewerber fürchten sich vor diesem Test.
Er ist jedoch, allgemeine sportliche Gewandtheit vorausgesetzt, nahezu für jedermann gut zu bewältigen. Wie viele Runden können in der Sporthalle, wie viele Situps oder Liegestütz mit Armschlag in einer bestimmten Zeit bewältigt werden? Wie weit kann aus dem Stand gesprungen oder wie schnell kann eine vorgegebene Strecke mit Wendungen gelaufen werden?
Fragen auf die jede Bewerberin und jeder Bewerber nach ca. einer Stunde Antworten erhält und damit auch die notwendige Mindestkondition für die angestrebte Ausbildung nachweist.

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Ein erfolgreich geprüfter Bewerber wird beglückwünscht

Die Einplanung

Wer es am Ende der zwei Testtage bis zum Einplanungsgespräch geschafft hat, hat den Testmarathon erfolgreich bewältigt. Nun werden die Einplanungswünsche der positiv geprüften Bewerberinnen und Bewerber auf der Grundlage der Ergebnisse der Eignungsfeststellung und der Studieneignung besprochen. Dabei ist der Personalbedarf in den unterschiedlichen Verwendungen sowie die Anzahl der zur Verfügung stehenden Studienplätze an den beiden Bundeswehruniversitäten zu berücksichtigen.
So übersteigt regelmäßig die Anzahl der positiv geprüften Bewerberinnen und Bewerber den Regenerationsbedarf der Bundeswehr in bestimmten Verwendungen oder die Studienplatzkapazitäten. Deshalb gilt es grundsätzlich eine für beide Seiten akzeptable Schnittmenge zu bilden. Auch hier gilt: Je besser das Prüfergebnis und die Studieneignung, desto wahrscheinlicher erfolgt die Einplanung und die Erfüllung der eigenen Einplanungswünsche. Oftmals kann zu diesem Zeitpunkt noch keine endgültige Entscheidung über Einplanung oder Ablehnung getroffen werden, da in dem jährlichen Prüfzyklus jedem Bewerber die gleiche Einstellungschance eingeräumt wird. Abschließend kann also festgestellt werden, dass das Prüfverfahren der Offizierbewerberprüfzentrale transparent ist und der persönliche Erfolg somit nicht dem Zufall überlassen wird. Denn Chancen erhält man letztendlich dadurch, in dem man sich diese selber erarbeitet.

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Der Wehrdienstberater in Ihrer Nähe


Stand vom: 05.03.2010

http://mil.bundeswehr-karriere.de/portal/a/milkarriere/ihrebewerbung/eignungstest/opz